Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen

Ange­hö­ri­ge und Bezugs­per­so­nen müs­sen bei einem Anfall wis­sen, wie sie rich­tig reagie­ren kön­nen und wann sie Hil­fe durch die Ambu­lanz bei­zie­hen müs­sen. Epi-Suis­se hat die wich­tig­sten Reak­tio­nen bei epi­lep­ti­schen Anfäl­len zusammengefasst.

Epi­lep­sie­be­trof­fe­ne, deren Ange­hö­ri­ge und bei Kin­dern deren Eltern ken­nen in der Regel die Anfäl­le sehr genau und kön­nen am besten dar­über Aus­kunft geben, was bei einem Anfall zu tun ist.

Sinn­voll ist es daher, wenn das näch­ste Umfeld am Arbeits- oder Betreu­ungs­platz, die Eltern von Freun­den epi­lep­sie­be­trof­fe­ner Kin­der, die Lehr­per­so­nen und allen­falls die Klas­sen­ka­me­ra­den über die Epi­lep­sie gut infor­miert sind und wis­sen, was zu tun ist.

Leit­fra­gen dazu sind:

  • Wel­che Art von Anfäl­len tre­ten auf? Wie sehen die­se aus? Wie erkannt man sie?
  • Wie häu­fig tre­ten Anfäl­le auf?
  • Wie lan­ge dau­ern sol­che Anfäl­le in der Regel?
  • Was ist im Fal­le eines Anfal­les zu tun?
  • Muss ein Not­fall­me­di­ka­ment zum Unter­bre­chen des Anfalls ver­ab­reicht werden?
  • Falls ja, wie und zu wel­chem Zeitpunkt?
  • Wo befin­det sich das Notfallmedikament?
  • Ab wel­cher Dau­er eines Anfal­les soll­te die Ambu­lanz ver­stän­digt werden?
  • Wie geht es der betrof­fe­nen Per­son nach einem Anfall (gut ori­en­tiert, ver­wirrt, wie lange?)
  • Soll nach dem Anfall jemand kon­tak­tiert wer­den? Wer? Kon­takt­num­mer bekannt geben

Wenn Bezugs­per­so­nen im All­tag gut infor­miert sind und rich­tig zu reagie­ren wis­sen, ver­schafft dies Betrof­fe­nen Frei­raum, sich auch an ande­ren Orten als nur zu Hau­se sicher zu bewegen.

Beim Ein­be­zug von Klas­sen­ka­me­ra­den und Freun­den im Kin­des­al­ter ist dar­auf zu ach­ten, dass die Infor­ma­ti­on über Epi­lep­sie alters­ge­recht erfolgt und den Kin­dern nicht zu viel Ver­ant­wor­tung auf­ge­bür­det wird, im Fal­le eines Anfalls bestimm­te Hand­lun­gen ein­lei­ten zu müssen.

Hilfsmittel für den Notfall

Vie­le Betrof­fe­ne tra­gen eine Not­fall­kar­te im Porte­mon­naie oder wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen an Anhän­gern oder auf Pla­ket­ten an einer Hals­ket­te oder am Hand­ge­lenk. Eben­so sind Kap­seln für Not­fall­me­di­ka­men­te auf dem Markt erhält­lich, die Betrof­fe­ne eben­falls als Hals­ket­te oder am Hand­ge­lenk auf sich tra­gen kön­nen. Im Not­fall wer­den Pas­san­ten, die zufäl­lig einen Anfall mit­er­le­ben, kaum auf die Idee kom­men, das Porte­mon­naie eines Betrof­fe­nen zu durch­su­chen oder den Schmuck auf ent­spre­chen­de Infos zu durchsuchen.

Den­noch kann sich das Tra­gen und Mit­füh­ren sol­cher Infos loh­nen: Wis­sen Bezugs­per­so­nen um die­se Infor­ma­tio­nen, ist ein Not­fall­kon­takt oder das Not­fall­me­di­ka­ment schnell gefun­den. Auch Sani­täts­fach­per­so­nen sind immer bes­ser dar­in geschult, gezielt nach sol­chen Infor­ma­tio­nen zu suchen.

Epi-Suis­se hat gemein­sam mit der Schwei­ze­ri­schen Epi­lep­sie-Liga eine Not­fall­kar­te erstellt, die Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge kosten­los bezie­hen können.

Not­fall­kärt­chen bestellen

Bei einem gros­sen epi­lep­ti­schen Anfall ver­liert die betrof­fe­ne Per­son das Bewusst­sein und fällt meist zu Boden. Erst ver­krampft sich der Kör­per, danach tre­ten teils sehr hef­ti­ge Zuckun­gen auf.

In der Regel dau­ert ein sol­cher Krampfan­fall ein bis zwei Minu­ten, manch­mal auch sehr viel kür­zer und ganz sel­ten länger.

Vie­le Betrof­fe­ne sind nach einem Krampfan­fall ver­wirrt, wis­sen nicht wo sie sind und kön­nen kei­ne Fra­gen beant­wor­ten. In vie­len Fäl­len folgt auf den Anfall, der für den Kör­per aus­ge­spro­chen anstren­gend ist, eine gros­se Müdig­keit und die Betrof­fe­nen brau­chen Ruhe oder Schlaf.

Was tun bei einem Anfall?

  • Ruhe bewah­ren
  • Betrof­fe­ne aus der Gefah­ren­zo­ne entfernen
  • Mög­li­che Gefah­ren (Tische, Stüh­le, Gegen­stän­de) rund um den Betrof­fe­nen entfernen
  • Falls mög­lich, etwas Wei­ches unter den Kopf legen
  • Falls mög­lich, been­gen­de Klei­dungs­stücke am Hals lösen
  • Bril­le abnehmen
  • Auf die Uhr schau­en: Fest­hal­ten der Anfallsdauer
  • Dau­ert ein gros­ser Anfall län­ger als 3 Minu­ten, sofort medi­zi­ni­sche Hil­fe anfor­dern: Sani­tät-Not­ruf 144

Was Sie nicht tun sollten!

  • die Lage des Betrof­fe­nen zu ändern, aus­ser er sei in Gefahr
  • die Kramp­fer­schei­nun­gen zu unter­drücken, kei­ne Kör­per­tei­le festhalten
  • den Betrof­fe­nen aufrichten
  • etwas zwi­schen die Zäh­ne zwängen
  • etwas zu trin­ken geben
  • beatmen
  • Betrof­fe­ne mit Schüt­teln, Zer­ren oder Schrei­en aus sei­nem Zustand zurückzuholen

Wann ist ärzt­li­che Hil­fe erforderlich?

Ein epi­lep­ti­scher Anfall ist eine vor­über­ge­hen­de Funk­ti­ons­stö­rung der Ner­ven­zel­len im Gehirn. Das Gehirn sta­bi­li­siert sich in der Regel sel­ber und ver­mag den Anfall nach einer gewis­sen Zeit zu stop­pen. Ärzt­li­che Hil­fe ist dar­um in der Regel nicht nötig, ausser:

  • Wenn das “Kramp­fen” län­ger dau­ert als 3 Minuten
  • Wenn der Betrof­fe­ne nach Abklin­gen des Kramp­fens bewusst­los bleibt
  • Wenn wei­te­re Anfäl­le folgen
  • Bei schwe­ren Verletzungen
  • Wenn der Betrof­fe­ne nicht mehr rich­tig atmet
  • Wenn es der erste Anfall die­ser Art ist

Was tun nach einem Anfall?

  • Bewusst­lo­sen­la­ge­rung bzw. Seitenlage
  • Atem­we­ge befrei­en (Spei­chel, Erbrochenes)
  • beim Betrof­fe­nen blei­ben, solan­ge die­ser noch ver­wirrt ist
  • wenn nötig, Ruhe­ge­le­gen­heit anbieten

Absen­zen oder ein Anfall mit «teil­wei­sem» Bewusst­seins­ver­lust sind in der Regel kurz, wobei es auch hier Aus­nah­men gibt. Die nach­fol­gen­den Erste Hil­fe Mass­nah­men gel­ten auch bei ande­ren Anfalls­for­men, die sich in Ver­wirrt­heit, im Nesteln (wie­der­hol­te Bewe­gung ein­zel­ner Kör­per­tei­le) und ande­rem zeigen.

Was tun bei einem Anfall?

  • Bewah­ren Sie Ruhe
  • Blei­ben Sie in der Nähe und beob­ach­ten Sie den Betroffenen
  • Auf die Uhr schau­en: Fest­hal­ten der Anfallsdauer
  • Beglei­ten Sie den Betrof­fe­nen, damit er sich nicht gefähr­det oder ver­let­zen kann

Was Sie nicht tun sollten!

  • die Lage des Betrof­fe­nen zu ändern, aus­ser er sei in Gefahr
  • den Betrof­fe­nen aus sei­nem Zustand holen durch rüt­teln oder lau­tes Rufen
  • etwas zu trin­ken geben
  • beatmen

Wann ist ärzt­li­che Hil­fe erforderlich?

Ein epi­lep­ti­scher Anfall ist eine vor­über­ge­hen­de Funk­ti­ons­stö­rung der Ner­ven­zel­len im Gehirn. Das Gehirn sta­bi­li­siert sich in der Regel sel­ber und ver­mag den Anfall nach einer gewis­sen Zeit zu stop­pen. Ärzt­li­che Hil­fe ist dar­um in der Regel nicht nötig, ausser:

  • Wenn die Absenz län­ger als 5 Minu­ten dauert
  • Wenn der Betrof­fe­ne bewusst­los bleibt
  • Wenn wei­te­re Anfäl­le folgen
  • Bei schwe­ren Verletzungen
  • Wenn der Betrof­fe­ne nicht mehr rich­tig atmet
  • Wenn nach einem Anfall im Was­ser Atem­pro­ble­me auftauchen
  • Wenn es der erste Anfall die­ser Art ist

Was tun nach einem Anfall?

  • beim Betrof­fe­nen blei­ben, solan­ge die­ser sich ganz erholt hat
  • dem Betrof­fe­nen die Dau­er des Anfalls nen­nen, all­fäl­li­ge Beob­ach­tun­gen mitteilen
  • Anbie­ten, jeman­den zu verständigen
  • wenn nötig, Ruhe­ge­le­gen­heit anbieten

Bei einem epi­lep­ti­schen Anfall ruhig und sicher zu reagie­ren ist nicht ein­fach. Die­se Pla­ka­te zei­gen Erwach­se­nen und
Kin­dern über­sicht­lich auf, wie bei einem epi­lep­ti­schen Anfall erste Hil­fe gelei­stet wer­den kann.

Zu den Plakaten

Problemfall Ambulanzfahrten – Mit Blaulicht in die Miesen

Erle­ben Epi­lep­sie­be­trof­fe­ne in der Öffent­lich­keit, zum Bei­spiel beim Ein­kau­fen oder auf dem Heim­weg, einen epi­lep­ti­schen Anfall, sind häu­fig Pas­san­ten Zeu­gen und auch die ersten Not­hel­fer vor Ort. Da die­se jedoch epi­lep­ti­sche Anfäl­le sel­ten als sol­che erken­nen und auch nicht wis­sen, wie sie rich­tig reagie­ren sol­len, wird häu­fig vor­schnell die Ambu­lanz verständigt.

Für Betrof­fe­ne hat dies fata­le Fol­gen: Die Kosten (ca. CHF 1500 auf­wärts) für eine sol­che Ambu­lanz­fahrt müs­sen sie als Pati­en­ten tra­gen. Die Ver­si­che­run­gen zah­len, wenn über­haupt, nur einen Teil. Zudem ist die Zahl der Fahr­ten, wel­che Ver­si­che­run­gen ver­gü­ten, pro Jahr limi­tiert. Bei Betrof­fe­nen, die häu­fig Anfäl­le in der Öffent­lich­keit haben und für die mehr­fach die Ambu­lanz auf­ge­bo­ten wird, sit­zen sehr rasch auf Kosten von meh­re­ren Tau­send Franken.

Epi-Suis­se ver­sucht die­se Men­schen zu unterstützen:

  • Wir wol­len die Öffent­lich­keit auf­klä­ren über die rich­ti­ge Reak­ti­on bei einem epi­lep­ti­schen Anfall
  • Wir enga­gie­ren uns auf poli­ti­scher Ebe­ne, um eine Geset­zes­än­de­rung für die Über­nah­me sol­cher Kosten zu erreichen
  • Wir unter­stüt­zen Betrof­fe­ne dar­in, das Geld für die­se Ambu­lanz­fahr­ten aufzutreiben

Fly­er Ambulanzfahrten

Epi-Suis­se hat die wich­tig­sten Fak­ten zum The­ma «Ambu­lanz­fahr­ten» in einem Fly­er zusam­men­ge­fasst. Lesen Sie hier den Artikel.

 

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