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Wenn Kinder die Medikamenteneinnahme verweigern

«Unsere siebenjährige Tochter leidet an Epilepsie und ist auf eine regelmässige Medikamenteneinnahme angewiesen. Was zu Beginn gut funktionierte, führt seit einiger Zeit zu Diskussionen und unsere Tochter verweigert die Einnahme zusehends.»

Wenn Kinder die Einnahme der Medikation ablehnen, kann dies verschiedene Gründe haben. Verständlicherweise machen sich die Eltern unabhängig davon grosse Sorgen und befürchten eine Häufung der Anfälle.

Versuchen Sie herauszufinden, was dem Kind Mühe bereitet. Hat es Angst, dass die Tablette im Hals stecken bleibt, oder geht es um eine grundsätzliche Ablehnung der Erkrankung? Im Sinne «wenn ich die Tabletten nicht nehme, bin ich auch nicht krank». 

Die Einnahme von Tabletten ist für viele Kinder schwierig und muss allenfalls geübt werden.

Dies sollte spielerisch und mit möglichst wenig Stress erfolgen. Das Kinderspital Zürich hat zu diesem Zweck das Trainingsprogramm «Tabletten schlucken leicht gemacht» entwickelt (das entsprechende Merkblatt finden Sie im Internet). Dabei wird das Kind schrittweise an das Schlucken der Tabletten herangeführt. Das Programm ist auf zwei Wochen ausgelegt. Sollte die Einnahme auch nach dieser Ein­übungszeit nicht klappen, ist es ratsam, sich an den behandelnden Neuropädiater oder die Neuropädiaterin zu wenden.

Wenn die Verweigerung der Medikamente auf die Ablehnung der Epilepsie als solches zurückzuführen ist, bedarf es einer grundlegenden Auseinandersetzung mit der Erkrankung. Gerade Kinder im Primar­schulalter beginnen sich zunehmend dafür zu interessieren und fangen an, Fragen zu stellen. Darauf sollte auf eine kindgerechte Art eingegangen werden. Epi-­Suisse veranstaltet dazu zweimal jährlich den Kurs famoses. Es handelt sich dabei um ein modulares Schulungsangebot für Kinder mit Epilepsie und ihre Eltern/Angehörigen, bei dem Wissen vermittelt wird und eigene Erfahrungen eingebracht werden können. Dabei wird gerade der Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen Kindern und Eltern oftmals als sehr unterstützend erlebt.

Detailliertere Informationen zum Kurs finden Sie in unserem Veranstaltungs-kalender von Epi-Suisse und auf der offiziellen Homepage des Angebots www.famoses.de.

Dieser Beitrag erschien erstmals im Epi-Suisse Magazin 01/22