Schach-Grossmeister Noël Studer wird Botschafter für Menschen mit Epilepsie

Er ist aktu­ell der erfolg­reich­ste Schwei­zer Pro­fi-Schach­spie­ler (2579 FIDE-ELO) und tritt gegen die gröss­ten Spie­ler an. In sei­ner Kind­heit litt Noël Stu­der unter Epi­lep­sie, einer häu­fi­gen neu­ro­lo­gi­schen Krank­heit. Heu­te will sich der erfolg­rei­che Sport­ler dar­um auch für Men­schen mit Epi­lep­sie ein­set­zen und ist neu Bot­schaf­ter der Pati­en­ten­or­ga­ni­sa­ti­on Epi-Suisse.

Joël StuderKonzen­tra­ti­on, logi­sches Den­ken, Aus­dau­er und stra­te­gi­sches Geschick – das braucht ein erfolg­rei­cher Schach­spie­ler. Noël Stu­der (24-jäh­rig) bringt dies alles mit und trägt mitt­ler­wei­le sogar den Titel eines Schach-Gross­mei­sters. Mit 2579 ELO-Punk­ten, der zen­tra­len Wer­tung im Schachs­port, hält er den Schwei­zer Spitzenplatz.

Dass er einst als Pro­fi im Schach Kar­rie­re machen könn­te, zeich­ne­te sich in sei­ner Kind­heit nicht ab. Noël Stu­der litt an Epi­lep­sie. «Ich hat­te Absen­cen, das heisst, ich war von einem Moment auf den ande­ren plötz­lich wie abwe­send», sagt Noël Stu­der. «Als Kind spiel­te ich Fuss­ball, war Tor­wart im Club, und da stand ich auch, als ich den ersten Anfall hat­te», erin­nert er sich. «Der Ball roll­te ins Tor – und ich stand ein­fach nur da und blick­te ins Leere».

«Der Ball roll­te ins Tor – und ich stand ein­fach nur da und blick­te ins Leere»

Es folg­ten auf­wän­di­ge Abklä­run­gen. Baden im Schwimm­bad, Pool oder in der Aare, das war dem 7‑Jährigen plötz­lich ver­bo­ten. «Für einen Ber­ner ist das beson­ders schlimm.» Hin­zu kam, dass Noël Stu­der in der Schu­le und im Freun­des­kreis mit Mob­bing kon­fron­tiert wur­de. «Die Epi­lep­sie war nicht Haupt­ur­sa­che dafür, spiel­te aber sicher hinein.»

In der Behand­lung sei­ner Epi­lep­sie hat­te Noël Stu­der Glück. Er zähl­te zu den rund 70% Epi­lep­sie­be­trof­fe­nen, die dank Medi­ka­men­ten anfalls­frei wur­den. Heu­te kann er die Antiepi­lep­ti­ka sogar ganz weg­las­sen. «Die Erfah­rung aber hat mich den­noch geprägt», betont er, «und dar­um will ich heu­te etwas zurück­ge­ben.» Für Epi-Suis­se enga­giert er sich als Bot­schaf­ter für Kin­der und Erwach­se­ne mit Epi­lep­sie und will für die Anlie­gen der Betrof­fe­nen sen­si­bi­li­sie­ren. «Vie­le wis­sen kaum etwas über Epi­lep­sie oder brin­gen ganz fal­sche Vor­stel­lun­gen damit in Ver­bin­dung», sagt er. Gleich­zei­tig wol­le er aber auch Kin­dern, die mit­ten in der Behand­lung stecken, Mut machen und für sie ein Vor­bild sein: «Es ist wich­tig zu sehen, dass die Epi­lep­sie einen trotz Ein­schrän­kun­gen nicht dar­an hin­dern darf, sei­ne Träu­me zu verfolgen.».

«Es ist wich­tig zu sehen, dass die Epi­lep­sie einen trotz Ein­schrän­kun­gen nicht dar­an hin­dern darf, sei­ne Träu­me zu verfolgen.»

In der Schweiz leben 80’000 Men­schen mit Epi­lep­sie, 15’000 davon sind Kin­der und Jugend­li­che. Die Krank­heit kann in jedem Lebens­al­ter auf­tre­ten. Die Unvor­her­seh­bar­keit der Anfäl­le machen Betrof­fe­nen und dem Umfeld zu schaf­fen, erschwe­ren die Pla­nung von Beruf und Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten. Ver­lust des Fahr­aus­wei­ses, ein­ge­schränk­te Berufs­wahl und vor allem vie­le Vor­ur­tei­le erschwe­ren Betrof­fe­nen den Alltag.

Das Wis­sen über die Krank­heit und die Anfalls­for­men zu stär­ken ist eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung, um Vor­ur­tei­le abbau­en zu kön­nen und die Inte­gra­ti­on von Epi­lep­sie­be­trof­fe­nen in Schu­le, Beruf und Frei­zeit zu för­dern. Die­ses Ziel ver­folgt Epi-Suis­se nun gemein­sam mit Noël Stu­der als Botschafter.

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