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Erste Hilfe 2017-10-10T07:58:34+00:00

Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen

Angehörige und Bezugspersonen müssen bei einem Anfall wissen, wie sie richtig reagieren können und wann sie Hilfe durch die Ambulanz beiziehen müssen. Epi-Suisse hat die wichtigsten Reaktionen bei epileptischen Anfällen zusammengefasst.

Epilepsiebetroffene, deren Angehörige und bei Kindern deren Eltern kennen in der Regel die Anfälle sehr genau und können am besten darüber Auskunft geben, was bei einem Anfall zu tun ist.

Sinnvoll ist es daher, wenn das nächste Umfeld am Arbeits- oder Betreuungsplatz, die Eltern von Freunden epilepsiebetroffener Kinder, die Lehrpersonen und allenfalls die Klassenkameraden über die Epilepsie gut informiert sind und wissen, was zu tun ist.

Leitfragen dazu sind:

  • Welche Art von Anfällen treten auf? Wie sehen diese aus? Wie erkannt man sie?
  • Wie häufig treten Anfälle auf?
  • Wie lange dauern solche Anfälle in der Regel?
  • Was ist im Falle eines Anfalles zu tun?
  • Muss ein Notfallmedikament zum Unterbrechen des Anfalls verabreicht werden?
  • Falls ja, wie und zu welchem Zeitpunkt?
  • Wo befindet sich das Notfallmedikament?
  • Ab welcher Dauer eines Anfalles sollte die Ambulanz verständigt werden?
  • Wie geht es der betroffenen Person nach einem Anfall (gut orientiert, verwirrt, wie lange?)
  • Soll nach dem Anfall jemand kontaktiert werden? Wer? Kontaktnummer bekannt geben

Wenn Bezugspersonen im Alltag gut informiert sind und richtig zu reagieren wissen, verschafft dies Betroffenen Freiraum, sich auch an anderen Orten als nur zu Hause sicher zu bewegen.

Beim Einbezug von Klassenkameraden und Freunden im Kindesalter ist darauf zu achten, dass die Information über Epilepsie altersgerecht erfolgt und den Kindern nicht zu viel Verantwortung aufgebürdet wird, im Falle eines Anfalls bestimmte Handlungen einleiten zu müssen.

Hilfsmittel für den Notfall

Viele Betroffene tragen eine Notfallkarte im Portemonnaie oder wichtige Informationen an Anhängern oder auf Plaketten an einer Halskette oder am Handgelenk. Ebenso sind Kapseln für Notfallmedikamente auf dem Markt erhältlich, die Betroffene ebenfalls als Halskette oder am Handgelenk auf sich tragen können. Im Notfall werden Passanten, die zufällig einen Anfall miterleben, kaum auf die Idee kommen, das Portemonnaie eines Betroffenen zu durchsuchen oder den Schmuck auf entsprechende Infos zu durchsuchen.

Dennoch kann sich das Tragen und Mitführen solcher Infos lohnen: Wissen Bezugspersonen um diese Informationen, ist ein Notfallkontakt oder das Notfallmedikament schnell gefunden. Auch Sanitätsfachpersonen sind immer besser darin geschult, gezielt nach solchen Informationen zu suchen.

Epi-Suisse hat gemeinsam mit der Schweizerischen Epilepsie-Liga eine Notfallkarte erstellt, die Betroffene und Angehörige kostenlos beziehen können.

Notfallkärtchen bestellen

Bei einem grossen epileptischen Anfall verliert die betroffene Person das Bewusstsein und fällt meist zu Boden. Erst verkrampft sich der Körper, danach treten teils sehr heftige Zuckungen auf.

In der Regel dauert ein solcher Krampfanfall ein bis zwei Minuten, manchmal auch sehr viel kürzer und ganz selten länger.

Viele Betroffene sind nach einem Krampfanfall verwirrt, wissen nicht wo sie sind und können keine Fragen beantworten. In vielen Fällen folgt auf den Anfall, der für den Körper ausgesprochen anstrengend ist, eine grosse Müdigkeit und die Betroffenen brauchen Ruhe oder Schlaf.

Was tun bei einem Anfall?

  • Ruhe bewahren
  • Betroffene aus der Gefahrenzone entfernen
  • Mögliche Gefahren (Tische, Stühle, Gegenstände) rund um den Betroffenen entfernen
  • Falls möglich, etwas Weiches unter den Kopf legen
  • Falls möglich, beengende Kleidungsstücke am Hals lösen
  • Brille abnehmen
  • Auf die Uhr schauen: Festhalten der Anfallsdauer
  • Dauert ein grosser Anfall länger als 3 Minuten, sofort medizinische Hilfe anfordern: Sanität-Notruf 144

Was Sie nicht tun sollten!

  • die Lage des Betroffenen zu ändern, ausser er sei in Gefahr
  • die Krampferscheinungen zu unterdrücken, keine Körperteile festhalten
  • den Betroffenen aufrichten
  • etwas zwischen die Zähne zwängen
  • etwas zu trinken geben
  • beatmen
  • Betroffene mit Schütteln, Zerren oder Schreien aus seinem Zustand zurückzuholen

Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?

Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn. Das Gehirn stabilisiert sich in der Regel selber und vermag den Anfall nach einer gewissen Zeit zu stoppen. Ärztliche Hilfe ist darum in der Regel nicht nötig, ausser:

  • Wenn das „Krampfen“ länger dauert als 3 Minuten
  • Wenn der Betroffene nach Abklingen des Krampfens bewusstlos bleibt
  • Wenn weitere Anfälle folgen
  • Bei schweren Verletzungen
  • Wenn der Betroffene nicht mehr richtig atmet
  • Wenn es der erste Anfall dieser Art ist

Was tun nach einem Anfall?

  • Bewusstlosenlagerung bzw. Seitenlage
  • Atemwege befreien (Speichel, Erbrochenes)
  • beim Betroffenen bleiben, solange dieser noch verwirrt ist
  • wenn nötig, Ruhegelegenheit anbieten

Absenzen oder ein Anfall mit «teilweisem» Bewusstseinsverlust sind in der Regel kurz, wobei es auch hier Ausnahmen gibt. Die nachfolgenden Erste Hilfe Massnahmen gelten auch bei anderen Anfallsformen, die sich in Verwirrtheit, im Nesteln (wiederholte Bewegung einzelner Körperteile) und anderem zeigen.

Was tun bei einem Anfall?

  • Bewahren Sie Ruhe
  • Bleiben Sie in der Nähe und beobachten Sie den Betroffenen
  • Auf die Uhr schauen: Festhalten der Anfallsdauer
  • Begleiten Sie den Betroffenen, damit er sich nicht gefährdet oder verletzen kann

Was Sie nicht tun sollten!

  • die Lage des Betroffenen zu ändern, ausser er sei in Gefahr
  • den Betroffenen aus seinem Zustand holen durch rütteln oder lautes Rufen
  • etwas zu trinken geben
  • beatmen

Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?

Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Funktionsstörung der Nervenzellen im Gehirn. Das Gehirn stabilisiert sich in der Regel selber und vermag den Anfall nach einer gewissen Zeit zu stoppen. Ärztliche Hilfe ist darum in der Regel nicht nötig, ausser:

  • Wenn die Absenz länger als 5 Minuten dauert
  • Wenn der Betroffene bewusstlos bleibt
  • Wenn weitere Anfälle folgen
  • Bei schweren Verletzungen
  • Wenn der Betroffene nicht mehr richtig atmet
  • Wenn nach einem Anfall im Wasser Atemprobleme auftauchen
  • Wenn es der erste Anfall dieser Art ist

Was tun nach einem Anfall?

  • beim Betroffenen bleiben, solange dieser sich ganz erholt hat
  • dem Betroffenen die Dauer des Anfalls nennen, allfällige Beobachtungen mitteilen
  • Anbieten, jemanden zu verständigen
  • wenn nötig, Ruhegelegenheit anbieten

Problemfall Ambulanzfahrten – Mit Blaulicht in die Miesen

Erleben Epilepsiebetroffene in der Öffentlichkeit, zum Beispiel beim Einkaufen oder auf dem Heimweg, einen epileptischen Anfall, sind häufig Passanten Zeugen und auch die ersten Nothelfer vor Ort. Da diese jedoch epileptische Anfälle selten als solche erkennen und auch nicht wissen, wie sie richtig reagieren sollen, wird häufig vorschnell die Ambulanz verständigt.

Für Betroffene hat dies fatale Folgen: Die Kosten (ca. CHF 1500 aufwärts) für eine solche Ambulanzfahrt müssen sie als Patienten tragen. Die Versicherungen zahlen, wenn überhaupt, nur einen Teil. Zudem ist die Zahl der Fahrten, welche Versicherungen vergüten, pro Jahr limitiert. Bei Betroffenen, die häufig Anfälle in der Öffentlichkeit haben und für die mehrfach die Ambulanz aufgeboten wird, sitzen sehr rasch auf Kosten von mehreren Tausend Franken.

Epi-Suisse versucht diese Menschen zu unterstützen:

  • Wir wollen die Öffentlichkeit aufklären über die richtige Reaktion bei einem epileptischen Anfall
  • Wir engagieren uns auf politischer Ebene, um eine Gesetzesänderung für die Übernahme solcher Kosten zu erreichen
  • Wir unterstützen Betroffene darin, das Geld für diese Ambulanzfahrten aufzutreiben

Dossier Ambulanzfahrten

Epi-Suisse hat die wichtigsten Fakten zum Thema «Ambulanzfahrten» in einem Magazin-Beitrag zusammengefasst. Lesen Sie hier den Artikel.

 

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